Geschichte der DIN-Formate
Die Idee hinter A4 stammt von 1786: Der Göttinger Physiker Georg Christoph Lichtenberg beschrieb ein Blatt im Seitenverhältnis 1 zu √2. Zur Norm wurde sie erst am 18. August 1922, als Walter Porstmann die DIN 476 veröffentlichte. Seit 1975 gilt das System als ISO 216 fast weltweit.
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1786: Lichtenbergs Brief
Am 25. Oktober 1786 schrieb Georg Christoph Lichtenberg einen Brief an seinen Kollegen Johann Beckmann. Darin beschreibt er ein Blatt Papier, dessen Hälfte dieselbe Form hat wie das ganze Blatt. Die kleine Seite müsse sich zur großen verhalten „wie 1 : √2, oder wie die Seite eines Quadrats zu seiner Diagonale“.
Lichtenberg hielt das für eine schöne mathematische Kuriosität, nicht für einen Normvorschlag. Er bemerkte aber, dass ein Bogen in diesem Verhältnis beim Falten immer gleich aussieht. Genau das ist heute der Kern aller DIN-Formate.
1798: das französische Stempelgesetz
Wenige Jahre später griff das revolutionäre Frankreich die Idee auf. Ein Gesetz über Stempelpapier von 1798 legte Papierformate fest, die das Verhältnis 1 zu √2 hatten. Eines davon, das „Grand registre“, maß 420 × 594 mm. Das ist genau das heutige A2. Das System setzte sich damals aber nicht durch und geriet wieder in Vergessenheit.
1910: Ostwalds Weltformat
Um 1910 schlug der Chemiker und Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald ein „Weltformat“ vor. Auch er verwendete das Verhältnis 1 zu √2, ging aber von einer Seitenlänge von 1 cm aus und verdoppelte von dort. Ostwald dachte groß: Bücher, Zeitschriften und Karteikarten sollten weltweit dieselben Formate haben, damit sie in dieselben Regale passen. Einige Verlage druckten tatsächlich im Weltformat, aber durchgesetzt hat es sich nicht.
1922: Porstmann und die DIN 476
Walter Porstmann (1886 bis 1959) war Ingenieur und eine Zeit lang Assistent bei Ostwald. Für den Normenausschuss der Deutschen Industrie entwickelte er ein System, das Ostwalds Idee praktisch machte. Der entscheidende Unterschied: Porstmann ging nicht von einer Seitenlänge aus, sondern von der Fläche. Der Ausgangsbogen A0 sollte genau einen Quadratmeter groß sein. So ließ sich das Gewicht eines Blattes direkt aus der Grammatur ablesen.
Am 18. August 1922 erschien die Norm als DIN 476 mit vier Reihen: A als Hauptreihe für Papier und Drucksachen, dazu B, C und D als Zusatzreihen, etwa für Umschläge, Mappen und Hüllen. Behörden stellten in den folgenden Jahren auf die neuen Formate um, und die Wirtschaft folgte, weil Papierhersteller, Druckereien und Büromöbelhersteller sich auf dieselben Maße einstellen konnten.
Eine Fußnote zu Porstmann: Er setzte sich auch für die konsequente Kleinschreibung im Deutschen ein und schrieb einige seiner Texte selbst klein. Damit hatte er allerdings weniger Erfolg als mit dem Papier.
Von Deutschland in die Welt
In den folgenden Jahrzehnten übernahmen immer mehr Länder das System. 1975 wurde es als ISO 216 international genormt. Bis 1977 hatten 88 von 148 Ländern A4 als Standard für Briefe eingeführt. Heute gilt es praktisch überall, mit zwei großen Ausnahmen: den USA und Kanada, die bei Letter und Legal geblieben sind.
Die D-Reihe verschwand im Lauf der Zeit aus den Normen. Die C-Reihe wurde als ISO 269 international genormt und 2009 wieder zurückgezogen. Die aktuelle ISO 216 stammt von 2007.
Die wichtigsten Daten
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1786 | Lichtenberg beschreibt das Seitenverhältnis 1 : √2 in einem Brief an Johann Beckmann |
| 1798 | Französisches Stempelgesetz mit Formaten im Verhältnis 1 : √2 |
| um 1910 | Wilhelm Ostwald schlägt das Weltformat vor |
| 1922 | DIN 476 erscheint am 18. August |
| 1975 | ISO 216 macht die A- und B-Reihe international |
| 1977 | 88 von 148 Ländern nutzen A4 als Briefformat |
| 2007 | aktuelle Ausgabe von ISO 216 |
| 2009 | ISO 269 (C-Reihe) wird zurückgezogen |
Häufige Fragen
Wer hat das A4-Format erfunden?
Walter Porstmann entwickelte das System der DIN-Formate, das 1922 als DIN 476 veröffentlicht wurde. Die Idee des Seitenverhältnisses stammt von Georg Christoph Lichtenberg (1786).
Seit wann gibt es DIN A4?
Seit dem 18. August 1922, als die DIN 476 erschien.
Seit wann ist A4 international genormt?
Seit 1975 als ISO 216.
Warum hat A0 einen Quadratmeter?
Porstmann wählte die Fläche als Ausgangspunkt. So entspricht die Grammatur dem Gewicht eines A0-Bogens, und jedes Format lässt sich leicht berechnen.